Gastbeitrag vom Ehemaligenverein Kathi Wil
Das Leben verläuft selten geradlinig. Es gleicht vielmehr dem Wasser: Mal ist es ruhig und spiegelglatt, mal stürmisch und unberechenbar. Die Kunst besteht nicht darin, die Wellen zu vermeiden – sondern zu lernen, mit ihnen zu tanzen.
Wer an seine Zeit im Kathi zurückdenkt, erinnert sich wahrscheinlich an viele solcher Wellen. Der erste Schultag. Freundschaften, die entstanden sind. Prüfungen, die uns herausforderten. Erfolge, die wir gefeiert haben. Abschiede, die schwerfielen. Damals schienen manche Wellen riesig. Heute wissen wir: Sie haben uns wachsen lassen.
Mit dem Abschluss am Kathi endet diese Reise nicht. Sie verändert lediglich ihre Form. Jede von uns geht ihren eigenen Weg – in der Ausbildung, im Beruf, in der Familie oder irgendwo auf der Welt. Neue Menschen, neue Herausforderungen und neue Chancen prägen unseren Alltag. Manche Wellen tragen uns sanft, andere fordern uns heraus. Doch etwas verbindet uns weiterhin: die gemeinsame Zeit am Kathi.
Genau hier beginnt für mich die besondere Rolle des Ehemaligenvereins.
Es gibt Momente, in denen wir zurück ans Kathi kommen – sei es für den Grillabend, den Racletteplausch oder eine Probe mit dem Mosaik-Chor. Und jedes Mal ist es ein bisschen wie Heimkommen. Beim Gang durch die vertrauten Flure fällt auf, wie viel sich verändert hat. Neue Räume, modernere Technik, andere Gesichter. Gleichzeitig ist so vieles noch genau gleich. Der Blick in den Kathigarten, das besondere Gefühl im Schulhaus, Erinnerungen, die plötzlich wieder ganz präsent sind.
An unseren Anlässen begegnen sich Frauen unterschiedlichster Generationen. Absolventinnen, deren Schulzeit Jahrzehnte auseinanderliegt, sitzen am selben Tisch, lachen über ähnliche Geschichten oder entdecken, dass gewisse Traditionen bis heute weiterleben. Im Mosaik-Chor wird diese Verbindung sogar hörbar: Ehemalige aus verschiedenen Jahrgängen treffen sich regelmässig, um gemeinsam zu singen und bei Auftritten durchs Jahr hinweg die Freude an der Musik zu teilen. Es spielt keine Rolle, wann man das Kathi verlassen hat – was zählt, ist das gemeinsame Fundament.
Mit den Wellen zu tanzen bedeutet auch, offen für Veränderungen zu bleiben. Es bedeutet, Erfahrungen weiterzugeben, voneinander zu lernen und gleichzeitig neugierig auf Neues zu sein. Der Ehemaligenverein lebt genau diesen Gedanken. Er verbindet Generationen, schafft Begegnungen und hält Erinnerungen lebendig, ohne dabei stehen zu bleiben.
Vielleicht braucht es genau deshalb beides im Leben: Wellen, die uns in Bewegung halten, und Anker, die uns daran erinnern, wo wir herkommen. Für viele von uns ist das Kathi ein solcher Anker. Nicht, weil wir in der Vergangenheit leben, sondern weil wir von ihr getragen werden.
Die Wellen hören nie auf. Aber mit jeder einzelnen lernen wir ein wenig besser, uns von ihnen tragen zu lassen. Und manchmal merken wir dabei, dass wir nicht allein sind.
In diesem Sinne freuen wir uns über jede ehemalige Kathi-Schülerin, die den Weg zu unserem Verein findet – sei es am Grillabend, beim Racletteplausch, im Chor oder einfach für ein Wiedersehen. Denn gemeinsam tanzt es sich mit den Wellen des Lebens ein Stück leichter.